05. 11. 2011

Ja hallo und erst einmal Entschuldigung, dass ich jetzt schon seit fast 3 Wochen nicht mehr geschrieben habe. Es wird einfach immer mehr zum Alltag in Ghana zu leben, und über den Alltag zu schreiben fällt einem viel schwerer als über eine spannende Reise, die dieser Aufenthalt am Anfang ununterbrochen war. Jetzt ist es einfach schön noch weitere 5 Monate hier verbringen zu können und Ghana in vollen Zügen zu genießen.

Nun zum praktischen Teil: Wir haben ja wie beschrieben einige Zeit bei Peter, dem anderen Freiwilligen, in der Bibliothek in der Montesorischule gearbeitet. Das hatten wir auch mit dem Direktor der Schule abgesprochen und er hielt das für eine genauso gute Idee wie wir und hat uns zu verstehen gegeben, dass, falls er Bücher abgeben würde, uns dabei als erste beteiligen würde. Das war uns dann schon Zusage genug und hat auch ganz gut als Abwechslung getaugt, zum doch manchmal recht eintönigen Schulalltag. Dann, nach etwa einer Woche, kam eine Frau vom Vorstand, vor der Peter uns schon „gewarnt“ hatte, und meinte wir hätten da doch mal etwas zu bereden. In ihrem Büro meinte sie dann, dass das ja so nicht ginge, dass wir in ihrer Schule arbeiten würden ohne dass wir zu Peters Organisation gehören, die einen Vertrag mit der Schule hat. Sie hat ja dann keine Übersicht mehr wer auf dem Schulgelände ist und wer das auch darf und wer dazugehört und wer nicht. Das ist zwar absoluter Schwachsinn weil die drei weißen mehr zwar auffallen wie es nur Weiße in Afrika können. Trotzdem dürfen wir jetzt nicht mehr in der Bibliothek helfen und Peter nur noch besuchen, bis man nicht mit den Schulgründern aus Amerika nicht über uns und über den Verbleib der übrigen Bücher gesprochen hat.

Eine schöne Veränderung dagegen ist, dass Konrad jetzt in das wohl genialste Zimmer gezogen ist das ich je gesehen habe. Über der außerhalb gelegenen Küche gibt es ein kleines „Turmzimmer“, das bisher immer von der jüngsten Tochter oder Adoptivtochter, wie auch immer, bewohnt wurde. Es gibt an jeder Seite ein großes Fenster und ist deshalb wunderschön hell. Hoch führt eine Beton-Wendeltreppe ohne Geländer, wo man in der Nacht schon mal Angst haben kann daneben zu treten. Da ist jetzt eben Konrad mit seinem Ganzen Zeug hochgezogen und ich habe das alte Zimmer mit dem Doppelbett ganz für mich alleine.

Nicht so schön: Ich habe mein Handy vor kurzem nachts im Taxi verloren. Wir saßen zu acht im Taxi (plus Fahrer) und da muss es mir wohl im Gedränge aus der Tasche gerutscht sein. Jetzt habe ich mir am vergangenen Mittwoch ein Neues gekauft, muss wohl irgend so eine Billigkopie aus China sein weil ich habe jetzt umgerechnet 70€ für ein LG gezahlt. Es ist gar nicht so schlecht aber am Freitag hat der Touchscreen dann gar nicht mehr funktioniert und ich habe es jetzt zurückgegeben und die wollen das jetzt wieder hinbiegen, mir soll’s recht sein. Am Montagabend  kann ich es Abholen, man wird ja sehen.

Vor einer Woche, am Samstag den 29., ist ein anderer Freiwilliger nach Kumasi gekommen, den wir im Flugzeug kennengelernt haben. Er war jetzt für zwei Monate in Bolgatanga, ganz im Norden von Ghana. Jetzt ist aber das Projekt, ein Waisenhaus, geschlossen worden. Der Pastor der das Projekt geleitet hat, hat scheinbar nur in die eigene Tasche gewirtschaftet und die Kinder waren teilweise unterversorgt. Jetzt hat Max aber kein Projekt mehr und wohnt seit Sonntagabend bei uns in Konrads Zimmer. Er sucht jetzt fleißig selber nach einem neuen Projekt und es scheint ziemlich sicher, dass er jetzt bei „Los zu Ghana“ unterkommt, der Organisation wo auch Nico ist. Da wird er dann entweder wieder in einem Waisenhaus arbeiten oder an einer Schule unterrichten, genau wie wir.

Apropos Schule: Unser Schulalltag ist manchmal ehrlichgesagt schon etwas langweilig und wir müssen uns dringend mal eine andere Beschäftigung suchen die man zusätzlich noch machen könnte wenn wir keinen Unterricht haben aber trotzdem an der Schule sein müssen. Der Plan hinter dem Prinzip ist, dass man dann für andere, fehlende Lehrer einspringen kann. Da ich aber noch nie für einen anderen Lehrer eingesprungen bin und das auch noch nie musste, halte ich das für Schwachsinn und würde meine Zeit eigentlich gerne anders verbringen als damit, stundenlang im Lehrerzimmer rum zu gammeln. Der ICT Unterricht ist immer noch genauso theoretisch wie vorher. Allerdings haben wir jetzt wenigstens 2 Computer die jetzt auch schon einmal benutzt wurden.  Das hat die Schüler echt zum ausflippen gebracht, als wir ihnen gesagt haben, dass es jetzt in den Computerraum geht. Als wir da waren sind sie dann total ausgerastet und haben nur Scheiß gemacht und nur die Hälfte der Schüler hat wirklich auf den Computer geschaut, die andere Hälfte hat sich durch den Raum gejagt, den anderen Computer dabei umgeschmissen usw. Der sonstige Unterricht läuft eigentlich so ab, dass der andere ICT Lehrer, mit dem ich mir die Stunden teile, meist den Lehr-Part übernimmt und ich schreibe dann meist noch was an die Tafel. Oft übernimmt er aber auch die ganze Stunde und ich habe dann den ganzen Tag frei und sitze nur im Lehrerzimmer rum. Manchmal gibt es dann noch Hausaufgaben zu verbessern was meist mit viel Gelächter verbunden ist. Ein Beispiel: Die Aufgabe war, die Schritte zu beschreiben wie man nach einer bestimmten Kirche in Ghana suchen würde. Im Unterricht hatten wir besprochen wie man allgemein die Suchmaschine Yahoo! bedient und dann noch wie man mit Google z.B.  nach Universitäten in England sucht. Als Antwort auf die Frage mit der Kirche in Ghana haben dann einige einfach alles zu dem Thema aus ihrem Buch kopiert. Einige hatten es vollkommen richtig, haben dann allerdings noch den Part über die Google-Suche nach den Universitäten abgeschrieben, was ja vollkommen überflüssig war. Eigentlich keiner hat die Google-Suche weggelassen und somit wirklich die volle Punktzahl verdient, manche haben aber den ersten Teil wirklich gut gemacht, von denen ich vermute, dass sie schon mal im Internet waren und wissen wie das geht. Das ist dann schon manchmal etwa entmutigend wenn man so gar kein Resultat von seinem Unterricht erkennen kann und man das Gefühl nicht los wird, dass die Schüler sich einen Scheiß darum scheren was man ihnen beibringt und sich nicht im Entferntesten anstrengen und zur Abwechslung mal selbstständig denken. Das ist aber sowieso das Problem bei dem ganzen Schulsystem, es ist gar nicht darauf ausgelegt die Schüler zum Denken sondern nur zum Auswendiglernen zu erziehen was ja mal überhaupt keinen Sinn macht. Auch wenn man den Stoff vom letzten Mal abfragt antworten sie in genau dem Selben Wortlaut wie man es gestern an die Tafel geschrieben hat.

Trotz Allem ist es schön hier zu sein. Die Sonne scheint jetzt eigentlich ununterbrochen, Es gibt zwar schon immer wieder Wilken aber es regnet nur noch ganz selten und meist abends oder nachts. Es ist also alles in Ordnung „hier unten“ und mir geht’s gut. Ich hatte auch immer noch keine Malaria ich Glücklicher!

 

Also dann bis zum nächsten Mal, Gruß Jakob.

 

PS: Am Montag ist keine Schule, weil da scheinbar die muslimischen „Weihnachten“ sind, habe ich gehört. Keine Ahnung, aber ein freier Tag hört sich trotzdem gut an. J

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In Ghana!
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