06./07. 12. 2011

Heute ist Dienstag nach unserem Trip an die Küste. Aber bevor ich davon berichte werde ich erst einmal noch von den Fußballspielen in den letzten zwei Wochen schreiben. Vor zwei Wochen war das erste Turnier der Mädels aus unserer Schule gegen viele andere Schulen. Wir sind morgens um 9 Uhr mit einem gemieteten Kleinbus (Trotro) zum Prempeh College losgefahren, wo das Turnier stattfinden sollte. Max, der zu der Zeit immer noch bei uns gewohnt hat, Konrad und ich saßen auf dem Beifahrersitz und die ganze Man(-n)schaft und einige Fans saßen hinten drin. So sind wir also mit viel „Halleluja!“ von der Schule weggefahren. Auf der Fahrt sind die Mädels dann richtig abgegangen. Sie haben so laut gesungen und geklatscht, dass man sein eigenes Wort nicht mehr verstanden hat. Konrad hatte zwei Sätze Trikots dabei worüber sich die Mädels sich auch riesig gefreut haben. Die Trikots waren von „FSV Zwickau“, was dann zu sehr lustigen Bildern geführt hat. 11 schwarze Mädels in zu großen FSV-Zwickau-Trikots. Das Spiel an sich war dann eher Mittelmaß, deshalb haben sie dann auch verloren. Auf der Rückfahrt gab’s dann trotzdem wieder Geschrei. Das nächste Spiel war gegen eine andere öffentliche Schule in Kumasi. Hier haben dann aber auch noch die Jungs Mannschaften gegeneinander gespielt. Die Hinfahrt (mit Max, Konrad, Eva und mir auf dem Beifahrersitz) war länger als beim letzten Mal und deshalb noch ungemütlicher. Die Spiele waren ganz lustig, diesmal waren auch noch einige andere Lehrer dabei und wir saßen im Schatten und haben bei Softeis und das geilste Süß-zeug das ich jemals gegessen habe gegessen: Erdnüsse mit Karamell zusammengeklebt. Einfach nur genial. Aber so langsam habe ich kein Geld mehr für den Monat und da war diese Versuchung jetzt nicht gerade hilfreich. Allerdings habe ich mir gleich noch Kopfhörer und Boxen gekauft, was jetzt so langsam zu einer echten Finanzkrise führen würde, hätte ich nicht bei SICK gearbeitet. (Danke nochmal Schwesterlein!) Also zurück zu meiner Geschichte: Als wir vom Fußballplatz zur Schule zurückkamen, gab es erst einmal Rice Balls von der Schule spendiert. Als es dann an die Rückfahrt ging haben wir erst einmal in die Röhre geschaut. Es gab nämlich nicht genug Platz. Nach mehreren Stunden warten, bis es schon wieder dunkel wurde, kam dann der nächste Bus. Ein Mercedes Sprinter. Nun ja. Wir haben uns erst mal auf den Vordersitz gesetzt und hatten somit schon mal einen Platz. Den Schülern hat man einfach gesagt, dass es jetzt ein paar weitere Stunden dauern wird bis das nächste Trotro kommt. Da waren die Schüler so angespornt, dass wir unglaublich viele Schüler auf teilweise sehr unkonventionellen Plätzen im „Bus“ untergebracht haben. Nach einer wirklich sehr unbequemen Fahrt, die nicht dadurch verbessert wurde, dass die Kinder hinten drin geschrien haben, angekommen sind, haben wir die Schüler mal durchgezählt weil es uns dann doch interessiert hat wie viele Kids man in einen Mercedes Sprinter reinbekommt. Insgesamt (mit uns und dem Fahrer) waren es dann 57 Personen! Ich glaube nicht, dass das Auto dafür zugelassen war… Nun weiß ich zufällig, dass in einen gemeinen Reisebus knapp 30 Leute reinpassen. Ich glaube ich habe eine neue Geschäftsidee…?! Das letzte Spiel war dann am von ein paar Schweden(-innen) organisiert. Am Vormittag sind einige Leute von Los-zu-Ghana zu unserer Schule gekommen weil das Mädchen die das ganze Turnier organisiert hatte die Mädchenmannschaft als Projekt von der Organisation trainiert. Wir saßen dann also den ganzen Tag in der Sonne und haben uns einige Spiel angeschaut. Es war ganz lustig und am Ende wurden die besten Spieler mit Fußballschuhen, und alle anderen mit Medaillen geehrt.

Jetzt fällt mir im Moment erst mal nichts Neues aus dem Alltag ein. Also weiter zu meinem Geburtstag am Freitag letzte Woche. Nico und ein paar Leute von Los-zu, wie wir die Organisation nur noch nennen (und ich ab jetzt auch), wollten am Donnerstagabend unbedingt noch mit mir in meinen Geburtstag reinfeiern. Da wir aber am Freitag um 4:30 aufstehen mussten, denn wir mussten um 5:30 Uhr unseren gemieteten Bus erwischen. Eva war leider krank und konnte nicht mitkommen. Severin, ein Freiwilliger der jetzt schon länger in Ghana ist, hat uns einen „Obroni-Bus“ organisiert (Obroni = Weißer/Fremder) der aus Tanoso direkt zu unserer Lodge am Strand fahren sollte. Deshalb sollten wir eigentlich auch nur 6 Stunden brauchen. Der aufmerksame Leser wird bemerkt haben, dass ich das Wort „eigentlich“ benutze… Denn nach etwa 6 Stunden Fahrt saßen wir noch nicht einmal annähernd im Paradies von dem wir so geträumt hatten. Wir standen viel eher. Und zwar in einem Kaff bei irgendeiner Polizeistation wo unser Fahrer in einer kleinen Zelle saß und dumm rausgeschaut hat. Er hatte nämlich keinen Führerschein und war zu schnell gewesen. Bei der Bestechlichkeit der Polizisten wäre das ja auch alles kein Problem gewesen, hätte er bei den Polizisten die ihn aus dem Verkehr ziehen wollten auch wirklich angehalten und hätte die paar Cedi gezahlt. Das hat er aber leider nicht getan und so haben die Polizisten von besagter nächster Polizeistation ihn aus dem Verkehr gezogen und zwar, indem sie ihn brutal hinter dem Steuer vorgezogen haben und ihn erst mal ordentlich ins Gesicht geschlagen haben. Nach einigen Argumenten die der Fahrer vorgebracht hat, die die Polizisten alle als Lügen abgetan haben, wurde er wie gesagt eingesperrt und wir haben zwei Stunden damit verbracht im und um das Trotro zu warten und allen möglichen Kram von den Frauen an der Straße zu kaufen (wir haben schon vermutet, dass die alle unter einer Decke stecken…). Als wir dann endlich so gegen Abend an der Lodge ankamen dacht man wirklich man steht im Paradies. Ich meine, wenn es ein Paradies gibt, dann kann es nicht sehr viel anders sein. Überall Sand, Palmen schützen ein wenig vor dem Wind vom Meer der die Luft angenehm frisch macht aber niemals kalt: wir sind immer noch in Ghana! Der Strand besteht aus warmem feinen Sand, eingerahmt von ein paar Felsen. Die Wellen sind große schöne Brecher die zum Surfen einladen und einen die Macht des Meeres jedes Mal spüren lässt wenn man dagegen wirft. Unsere Schlafplätze wurden als Schlafsäle beschrieben. Es sah dann eher so aus, dass wir zwei Häuser für uns hatten. Wir waren insgesamt etwa 25 Leute und 15 haben in dem einen geschlafen, 10 in dem anderen. Das eine Haus hatte zwei Stockwerke und bestand hauptsächlich aus Lehm und Bambusrohren. Das zweite Haus, in dem auch ich geschlafen habe, bestand nur aus Bambus und statt Fenstern gab es nur Fliegengitter durch die der Wind geweht hat und immer für frische Luft gesorgt hat. Die Betten waren guter Standard und ich habe nach der Fahrt so gut geschlafen wie schon lange nicht mehr. Am Abend waren wir eigentlich nur noch am Strand, haben den Sonnenuntergang noch mit einem Bier begossen und haben noch etwas gegessen. Ich habe dann leider (immer noch an meinem Geburtstag wohl gemerkt) ziemlich starke Kopfschmerzen bekommen. Deshalb bin ich schon gegen 12 Uhr ins Bett und musste noch eine Schmerztablette nehmen. Am nächsten Morgen war ich dann schon um 6:30 wach und bin als allererstes schwimmen gegangen. Als Konrad dann aufgewacht ist, haben wir beschlossen für 10 Cedi (5€) ein Surfboard zu mieten. Vollkommen unerfahren also mit dme Surfboard ins Wasser und einfach den ganzen Tag Spaß gehabt und am Strand „gechillt“. Am Nachmittag sollte es dann zu dem „Reggae-Festival“ ins eine Stunde entfernte Busua gehen. Wir sind dann erst abends gegen 7 Uhr los. Unser Trotro hat uns abgeholt, da dann aber noch ein paar Holländer mitfahren wollten mussten 3 Leute auf dem Dach platznehmen was aber niemanden groß zu stören schien. In Busua mussten wir dann feststellen, dass das mit dem Reggae wohl etwas falsch verstanden worden war. Erst kam irgendein Hip-Hop Verschnitt und später dann die Musik die man auch in jeder Bar in Tanoso zu hören bekommt. Wir haben dann erst mal die Drinks in den Bars ausprobiert. Als die Nacht dann schon fortgeschritten war, wurde sehr tanzbarer Elektro gespielt. Das darf man sich so vorstellen. Ganz viele Weiße die aus den umliegenden Lodges gekommen waren und anfangs auch genauso viele Schwarze, zum Ende hin waren die Weißen dann aber in der Überzahl. Schon lange nicht mehr so viele Weiße auf einem Fleck gesehen. Alle am warmen Strand, laute Musik, Scheinwerfer und ganz viel gute Laune. Man hat also einfach die Schuhe ausgezogen und barfuß im warmen Sand direkt am Meer getanzt bis man Müde wurde, hat sich dann einen Stuhl geschnappt und sich ein bisschen weiter weg zu allen anderen gesetzt und sich bei Meeresrauschen unterhalten. Die Heimfahrt hat sich sehr gezogen weil alle sehr müde waren, einige auch sehr betrunken. Trotzdem saßen wieder viele auf dem Dach. Am nächsten Morgen bin ich dann erst um 9 Uhr aufgestanden weil wir erst um 4 Uhr im Bett waren. Dann noch eine Runde joggen am Strand und dann eine Runde alleine schwimmen, manche hatten es noch nicht einmal um 9 Uhr geschafft aus dem Bett zu kommen… Zum Frühstück gab es French Toast, leider nur zwei Scheiben. Wir wollten eigentlich um 10 Uhr losfahren, nur waren noch nicht einmal alle aufgestanden. Also haben wir es erst um 11 Uhr geschafft. Im nächsten Ort habe ich mir dann erst mal drei Portionen Fried Rice gekauft weil ich von den kleinen Portionen in der Lodge echt ausgehungert war. Kurz vor Kumasi, schon wieder nach sieben Stunden Fahrt, ist dann auch noch unser Bus kaputt gegangen und die Leute haben erst mal eine halbe Stunde daran rumgeschraubt. Um 8 Uhr waren wir dann etwa zuhause und sind ziemlich müde ins Bett gefallen. Am nächsten Morgen bin ich dann etwas zu spät in die Schule gekommen, Am Dienstag hatte ich meine erste Stunde um 9:10 Uhr, blöd wenn man da erst um 9 Uhr aufwacht… Also bin ich einfach zuhause geblieben und habe gesagt ich sei krank. Funktioniert hier sehr gut, da Konrad so oft wirklich krank ist, kann man das auch ab und an als brauchbare Ausrede verwenden. Am Nachmittag habe ich dann noch Dennis getroffen weil wir ein Geschenk für Phillip kaufen wollten (einen MP3- Player) und ich kannte ja nach dem Kauf meines Handys, meiner Kopfhörer und der Boxen den Verkäufer so langsam so gut, dass er mir einen guten Preis macht. Beim Laden angekommen haben wir uns die MP3-Player angeschaut, ausprobieren konnten wir sie noch nicht, der Typ der den Laden sonst immer schmeißt musste erst noch Stromeinheiten kaufen. Wir haben die Frauen im Laden nach dem Preis gefragt: Die Antwort kam nach einem kurzen Austausch zwischen den beiden Frauen. Als der Typ zurück kam mit dem ich sonst immer zu tun gehabt hatte sind wir mit ihm einfach in den benachbarten Laden gegangen und haben den MP3-Player einfach da kurz an den Strom gesteckt. Als wir den Verkäufer dann noch mal nach dem Prei gefragt haben war der sofort 10 Cedi unter dem was die beiden Frauen verlangt haben. Den Preis kann ich hier ja jetzt schlecht verraten, war ja ein Geschenk. Falls Phillip das hier liest! 😉

Heute, Mittwoch, war dann also Phillips Geburtstag und wir sind nach der Schule direkt nach Denkyemouso gegangen. Schule hat sich heute darauf beschränkt im Lehrerzimmer zu sitzen. Jetzt werden einige sagen, was mache ich denn sonst den ganzen Tag? Wohl war. Aber heute, morgen und Freitag sind nur Exams und deshalb haben wir erstmal frei. Am Montag geht dann das Korrigieren los. Oje. Also In Denkyemouso haben wir dann ein bisschen Phillip gefeiert und beglückwünscht zu seinem 20. Geburtstag. Alter Sack. Ups. Ich bin auch schon 20! Scheiße. Nun ja. Noch kurz eine lustige ghanaische Geburtstagstradition: Der Glückliche wird den ganzen Tag mit Eimern voll Wasser begossen. Ich hatte an meinem Geburtstag nur einmal das Vergnügen, Phillip durfte es gleich viele Male genießen.

 

Jetzt sitze ich hier schon wieder seit Stunden und schreibe, mein Akku ist leer und der Strom ist aus, also werde ich jetzt wohl mal aufhören.

 

Bis demnächst, Jakob.

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In Ghana!
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